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Erfahrungsbericht: Plantarfasziitis

Als leidenschaftlicher Läufer verletzt zu sein und nicht laufen zu können bedeutet wahren Herzschmerz, Frust und Unzufriedenheit. Diese Erfahrung musste ich mehrfach aufgrund einer Plantarfasziitis machen.

Jeder von euch, der schonmal eine längere Verletzungspause einlegen musste, weiß wovon ich spreche.

Leider habe ich davon in den letzten drei Jahren einige durchstehen müssen…und das immer wegen der gleichen Verletzung: die Plantarfasziitis.

In diesem Artikel möchte ich euch über meine immer wiederkehrenden Probleme mit meiner Verletzung am Fuß berichten. Ich möchte euch teilhaben lassen an meinen Emotionen während der Verletzungspausen und euch Möglichkeiten zur Prävention bzw zur Behandlungsmöglichkeit während einer Plantarfasziitis aufzeigen.

Ich werde euch berichten, was ich alles dagegen unternommen habe und was bei mir geholfen bzw nicht geholfen hat. So viel schonmal vorweg: den einzigen Marathon, den ich zu der Zeit absolviert habe, war ein Ärztemarathon.

Außerdem werde ich euch erzählen, was ich gegen diese Frustration unternommen habe, die mir zu der Zeit sehr viel an Lebensfreude genommen hat.

Eines muss ich euch jedoch vorab sagen, sofern ihr auch an dieser fiesen Verletzung leidet: Ich habe kein Wundermittel, dass euch von heute auf morgen wieder schmerzfrei zurück in die Laufschuhe zaubert!

Ich bin kein Arzt und verfüge auch nicht über medizinisches Wissen. Es handelt sich bei diesem Artikel ausdrücklich um einen Erfahrungsbericht.

 

Was ist überhaupt eine Plantarfasziitis?

Bei der Plantarfaszie handelt es sich um eine Sehnenplatte unter dem Fuß, die das Längsgewölbe des Fußes formt und spannt. Sie führt vom hinteren Bereich des Fußes (Ferse) bis vorne zu den Zehen.

Bei der Plantarfasziitis handelt es sich um eine Entzündung dieser Sehnenplatte. Die Ursachen dafür können vielfältig sein: Überbeanspruchung, Fußfehlstellungen, falsches Schuhwerk, Übergewicht, Verkürzung in der Achillessehne, Verspannungen in der Wade uvm.

Insbesondere Läufer sind sehr häufig von dieser Verletzung betroffen.

Die Symptome der Plantarfasziitis zeigen sich sehr schleichend. Es beginnt meistens mit einem leichten Stechen im Bereich der Ferse während der Belastung. Bei anhaltender Belastung wird dieses Stechen immer heftiger und tritt anschließend auch in Ruhephasen auf.

Besonders charakteristisch ist für diese Verletzung, dass die Betroffenen über einen morgendlichen Anlaufschmerz klagen, der nach einigen Schritten bzw im Verlauf des Tages nachlässt. Daher neigen viele Sportler dazu, keine Belastungspause einzulegen, sondern die Signale des Körpers zunächst zu ignorieren und das Training fortzusetzen. Genau so habe ich es zu Beginn auch getan. Mit der Zeit werden die Schmerzen allerdings immer stärker, sodass es irgendwann nicht mehr möglich ist, weiter zu trainieren.

 

Meine Verletzungsgeschichte im Überblick

2015: Erste Plantarfsziitis im Rahmen der Marathonvorbereitung

Verletzungspause: 4 Monate

2016:  Zweite Plantarfasziitis

Verletzungspause: fast 8 Monate (mit kleineren Laufversuchen zwischendurch)

2017: Dritte Plantarfasziitis

Verletzungspause: 4-5 Monate

 

Seit dem Herbst 2017 laufe ich nun wieder. Ich bin 3-4 Monate lang maximal 10km am Stück gelaufen und habe immer 2 Tage Pause zwischen den Lauftagen eingelegt. Seit Januar diesen Jahres erhöhe ich langsam die Distanzen, um im April beim Halbmarathon in Berlin starten zu können.

Und toi toi toi… bisher (abgesehen von der fiesen Grippe die mich aktuell seit 2 Wochen ans Bett fesselt) bin ich veretzungsfrei.

 

Meine Emotionen während der Verletzungspausen und mein Weg raus aus der Frustration

Es gibt bestimmt viele unter euch, die schonmal verletzungsbedingt pausieren mussten oder es gerade müssen. Ihr wisst, was es bedeutet, nicht laufen zu können, wenn man das Laufen so sehr liebt.

Eine Woche oder zwei zu pausieren ist schon nicht einfach… wenn dann aus Wochen plötzlich Monate werden und kein Ende in Sicht ist und kein Arzt einem helfen kann, dann fängt man wirklich an zu verzweifeln.

 

Laufen macht glücklich. Um so schlimmer fühlen sich verletzungsbedingte Pausen an.

 

In den Verletzungspausen habe ich mich elendig gefühlt. Ich empfand die Welt als ungerecht, ich war traurig, jeden Tag schlecht gelaunt und meine Mitmenschen mussten auch enorm darunter leiden.

Ich bin jeden Tag mit der Hoffnung aufgewacht, dass es besser wird und jeden Morgen, wenn ich die ersten Schritte machte, spürte ich Schmerzen und wurde wieder enttäuscht. Somit startete ich jeden Tag mit mieser Laune. Das Lachen hatte ich verlernt. Ich hatte auf nichts mehr Lust. Ich habe so oft von jetzt auf gleich einfach angefangen zu weinen. Ich fühlte mich ausserdem unverstanden, weil viele Menschen in meinem Umkreis dachten “jetzt übertreibt sie aber… nur weil sie nicht laufen kann. Davon geht doch die Welt nicht unter:” Aber doch… wenn das Herz fürs Laufen schlägt, dann geht für einen persönlich die Welt unter und man würde ALLES dafür tun, um die Verletzung zu heilen.

Meine Trauer wurde wirklich von Tag zu Tag schlimmer. Ich wollte nicht mehr so traurig sein, aber ich konnte einfach nicht anders. Ich habe angefangen, mich von einigen Mitmenschen zu distanzieren, weil ich niemanden mit meiner Laune nerven wollte. Ich habe wirklich mit dem Gedanken gespielt (und jetzt mache ich mich emotional nackig vor euch 🙂 ) mir einen Psychologen zu suchen. Ich wollte einfach aus dieser Trauer raus. Es kann ja nicht sein, dass ich monatelang das Leben so schwarz male, nur weil ich nicht laufen gehen kann. Ansonsten war ich schließlich gesund.

Wisst ihr, wie ich es letzendlich geschafft habe, wieder etwas positiver zu denken? Meine liebe Mama hat mir den Tipp gegeben, jeden Abend vor dem Schlafen gehen mindestens drei schöne Dinge aufzuschreiben, die an dem Tag passiert sind. Da Mamas immer Recht haben, habe ich das einfach mal versucht. Am Anfang kam es mir etwas dämlich vor, aber ich habe mit der Zeit gemerkt, dass ich anfange, Dinge im Alltag anders zu sehen. Ich konnte alltägliche Dinge wieder positiv sehen und habe gemerkt, wie viel Glück ich eigentlich im Leben habe.

Es gibt so viele Menschen, die mit wirklich schrecklichen Schicksalschlägen und schweren Krankheiten leben müssen…  und ich kann alles machen, bis auf laufen gehen.

Natürlich hat mir das Laufen nach wie vor sehr gefehlt und ich hatte sicherlich auch noch viele traurige Momente, aber diese tiefsitzende Trauer konnte ich überwinden. Ich habe mir ausserdem sportliche Alternativen wie Fahrrad fahren und schwimmen gesucht, um so etwas ausgelassener zu sein.

Nach 4-5 Monaten Verletzungspause konnte ich dann endlich wieder loslegen. Von da an ging es auch emotional nochmal steil bergauf.

 

Was habe ich gegen die Plantarfasziitis unternommen?

Nun möchtet ihr sicher wissen, was ich alles unternommen habe, um gegen diese Verletzung anzukämpfen.

Zunächst habe ich einfach mal eine Sportpause eingelegt und gehofft, der Schmerz würde nach kurzer Zeit verschwinden. Dem war leider nicht so. Im Internet habe ich gefühlt jeden Artikel über Plantarfsziitis gelesen. Aus der Apotheke habe ich mir etwas pflanzliches zur Behandlung geholt (Globolis: Hekla Lava).

Als mich nach 4 Wochen Laufpause immer noch Schmerzen plagten, habe ich einen Orthopäden aufgesucht. Dieser stellte mir auch schnell die Diagnose: Plantarfasziitis. Seine Behandlungsmethode: Sportpause, entzündungshemmende Schmerztabletten (Ibu), Physiotherapie und Einlagen für die Schuhe.

Es hat sehr lange gedauert und Geduld ist nun wirklich nicht meine Stärke. Ich habe mich durch diese Laufpause gekämpft, bin einige Male zum Physiotherapeuten gegangen und nach 4 Monaten hatte ich es endlich überstanden. Nachdem ich 1 Woche schmerzfrei war, fing ich ganz langsam mit dem Laufen wieder an.

Nach 6 Monaten leider wieder der gleiche Mist. Es ging wieder zum Orthopäde und es gab wieder einige Behandlungen beim Physio und eine laaaange Sportpause. Beim Physio bekam ich diesmal auch sogenannte Ultraschallbehandlungen.  Es wurde und wurde allerdings nicht besser und ich begann echt zu verzweifeln.

Ich wechselte den Orthopäden, doch die Diagnose blieb die Gleiche. Der neue Orthopäde verschrieb mir neue (angeblich bessere) Einlagen und  bot mir unterstützend die Behandlung mit Spritzen an (keine Kortisonspritzen, diese werden auch hin und wieder angeboten, doch davon würde ich die Finger lassen!). Es handelte sich um Spritzen, die direkt unter dem Fuß gesetzt werden und entzündungshemmend wirken und den Heilungsprozess vorantreiben können.

Eine Spritze in den Fuß zu bekommen war echt kein Zuckerschlecken… aber was tut man nicht alles in der Verzweiflung. Um es kurz zu machen: es hat sich nicht gelohnt. Der Schmerz blieb.

Ich fragte mich immer und immer wieder, was die Ursache für meine Verletzung ist, doch außer “Überbeanspruchung” konnte mir niemand etwas sagen.

Also suchte ich einen Osteopathen auf, damit mein Körper mal ganzheitlich betrachtet wird. Leider blieb auch das ohne Erfolg.

Da ich noch nicht genug Geld ausgegeben hatte (Achtung:Ironie 🙂 ) , investierte ich noch 300 Euro in einen Heilpraktiker. Der schien zwar sehr ausführlich mit meiner Hand zu sprechen, helfen konnte er mir jedoch nicht.

Ausserdem suchte ich mir einen neuen Physio. Eine weitere Meinung schadet ja nie. Hier fühlte ich mich wirklich gut aufgehoben. Mir wurden viele hilfreiche Dehnübungen, sowie Übungen zum trainieren der Fußmuskeln für zu Hause gezeigt. Ausserdem wurde mir nochmal die große Bedeutung der Blackroll und des Faszientrainings erläutert. Von da an habe ich täglich diese Übungen zu Hause gemacht und jeden Abend vorm Schlafen gehen meinen Fuß massiert. Ausserdem stand jeden zweiten Tag Faszientraining auf meiner To-Do-Liste. Speziell für den Fuß habe ich dafür einen Golfball verwendet. Ich habe schnell gemerkt, dass ich beweglicher wurde und die Schmerzen zumindest etwas nachließen.

Laufen konnte ich jedoch immer noch nicht. Einige kleine Versuche zwischendurch scheiterten sofort.

Nach insgesamt fast 8 Monaten schien es überstanden. Ich war schmerzfrei und konnte wieder laufen gehen.

Es dauerte kein halbes Jahr, dann fing es wieder an. Diesmal sparte ich mir den Gang zum Orthopäden. Die Diagnose wusste ich schon und die Sportpause konnte ich mir selber verschreiben.

Diesmal entschied mich dazu, noch mehr Geld in die Hand zu nehmen und eine Bewegungsanalyse machen zu lassen. Im Internet hatte ich einiges darüber gelesen und es erschien mir sinnvoll, da hierbei der ganze Bewegungsablauf des Körpers analysiert wird und Schwachstellen und Fehlstellungen aufgedeckt werden.

Ich fand ein Schuhorthopädiehaus in Münster  (KEINE Kooperation) , die diese Analyse anbieten und vereinbarte einen Termin.

 

Bei einer Bewegungsanalyse wird alles videografiert und genau analysiert.

 

 

Hier  wurden meine Laufbewegungen auf Video aufgezeichnet und genauestens Inaugenschein genommen.

Hierbei habe ich wirklich viel über mich und meinen Körper gelernt… auch wenn es teilweise echt schockierend war, sich von hinten laufend in Zeitlupe zu sehen 🙂 By the way: es ist echt nicht schön, von einem fremden Mann gesagt zu bekommen, dass dein Po zu wenig Muskeln hat 🙂 Hahaaaahaaaa….. nun gut, man muss der Wahrheit manchmal ins Auge blicken.

Aufgrund dieser Erkenntnise wurden mir nochmals neue Einlagen verschrieben und alles was mir erklärt wurde, machte sehr viel Sinn. Mir wurde nahegelegt, die Dehnübungen weiter zu machen und zusätzlich wurden mir weitere Übungen gezeigt, um muskuläre Dysbalancen auszugleichen. Diese sorgen nämlich bei mir dafür, dass ich bei jedem Schritt in der Abstossphase meinen Fuß komisch nach aussen verdrehe.

 

Mit den richtigen Einlagen bleibe ich hoffentlich verletzungsfrei

 

Dadurch bekommt die Plantarsehne jedes Mal, wenn sie maximal auf Spannung ist, einen Impuls zur Seite,dem sie Stand halten muss. Bei einem 10km Lauf passiert das ca 10 000 Mal. Kein Wunder, dass die Sehne irgendwann beschädigt wird und eine Pause benötigt.

Ausserdem habe ich eine große Liste an geeigneten Laufschuhen für mich mit an die Hand bekommen.

 

Nach erfolgter Bewegungsanalyse wurden mir diese Laufschuhe empfohlen.

 

Was soll ich sagen… seitdem bin ich schmerzfrei. Ich bin zwischendurch mal ohne die Einlagen gelaufen. Dann merke ich direkt, dass das meinem Fuß nicht so gut tut.

Viele von euch werden jetzt vermutlich aufschreien und denken “Einlagen sind schlecht”, aber mir hilft es und deswegen werde ich sie weiter tragen. Zusäztlich möchte ich darauf achten, an meinen muskulären Dysbalancen zu arbeiten und habe unter anderem deswegen das Krafttraining in meinen Wochenplan integriert.

Die Dehnübungen zu Hause habe ich leider sehr stark vernachlässigt. Memo an mich: sofort wieder damit anfangen!

Mir geht es mittlerweile nicht mehr ums “Kilometer schrubben” und dabei noch gute Zeiten zu erreichen. Ich genieße mittlerweile jeden einzelnen Lauf, den ich machen kann. Wenn mein Körper mich dann im April auch noch 21km durch Berlin trägt, bin ich wahnsinnig glücklich und mir ist es egal, welche Zeit dann am Ende des Laufes auf meiner Uhr steht.

 

Gesundheit ist unbezahlbar.

Ich hoffe, ich konnte dem ein oder anderen von euch ein paar wertvolle Tips geben und/oder euch an meiner Geschichte etwas teilhaben lassen.

Wie siehts bei euch mit Verletzungen aus? Wie fühlt ihr euch in Verletzungspausen und was tut ihr dagegen? Ich freue mich über eure Kommentare.

Alles Liebe für euch,

 

Eure Claudi

Claudi Von

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